Der teuerste Katholikentag aller Zeiten: Leipzig 2016
Vom 25. bis 29. Mai 2016 fand in Leipzig der 100. Deutsche Katholikentag statt – ein historisches Jubiläum in einer Stadt, die dafür denkbar ungeeignet schien. Mit der drei Meter hohen Moses-Plastik war die Kunstaktion „11. Gebot“ vor Ort, um gegen einen beispiellosen Rekord zu protestieren: den teuersten Katholikentag der Geschichte.
Die Zahlen waren so absurd wie eindeutig: In einer Stadt, in der nur 4,3 Prozent der 570.000 Einwohner katholisch waren – gerade einmal knapp 20.000 Menschen –, fand ein Glaubensfest mit Gesamtkosten von 9,9 Millionen Euro statt. Fast die Hälfte davon, nämlich 4,5 Millionen Euro, stammte aus öffentlichen Kassen: Die hochverschuldete Stadt Leipzig mit 700 Millionen Euro Schulden steuerte eine Million bei, der Freistaat Sachsen drei Millionen, der Bund 500.000 Euro.
Monatelang hatte die Aktionsgruppe „11. Gebot“ im Vorfeld protestiert. Als Moses plötzlich auf dem Leipziger Marktplatz stand und sein 11. Gebot verkündete, wussten viele Bürger noch nicht einmal, dass der Katholikentag überhaupt in ihre Stadt kommen sollte. Die Debatte im Stadtrat war heftig: Soll eine notorisch klamme Stadt, die in wichtigen Bereichen sparen muss, eine Million Euro für das Sommerfest einer reichen Religionsgemeinschaft zuschießen, die nur eine verschwindende Minderheit der Bevölkerung vertritt?
Trotz massiver Proteste – darunter von Piraten-Stadträtin Ute Elisabeth Gabelmann, die sich als Kirche verkleidet die „Scheidung vom Staat“ zelebrierte – stimmte der Stadtrat für den Zuschuss. Die Staatsquote lag bei 45 Prozent, weit über dem normalerweise angestrebten Drittel.
Im Nachhinein versuchte das Leipziger Kulturdezernat, die Millionenförderung schönzurechnen. Man verkündete stolz angebliche Einnahmen von 7,5 Millionen Euro für die Stadt. Doch die Kunstaktion „11. Gebot“ deckte die Rechentricks auf: Es wurde ein Geldfluss „in“ die Stadt mit einem Geldfluss „an“ die Stadt verwechselt. Die tatsächlichen Steuermehreinnahmen für die Kommune betrugen lediglich 180.000 Euro – möglicherweise sogar noch weniger.
Moses‘ mahnender Zeigefinger stellte in Leipzig die grundsätzliche Frage: Warum muss die Allgemeinheit – in einer der konfessionsfreiesten Städte Deutschlands – das teuerste Glaubensfest einer reichen Kirche mitfinanzieren?
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